„Wir müssen reden“ –
Warum echter Dialog schwieriger ist, als wir dachten
Ich war irgendwann einfach genervt.
In meinem Café habe ich immer wieder erlebt,
wie Menschen aus unterschiedlichen politischen
Lagern übereinander reden – aber kaum miteinander.
Da wurden schnell Ellenbogen ausgefahren,
Positionen verteidigt und Fronten aufgebaut.
Gleichzeitig dachte ich oft: Da sitzen eigentlich so
viele kluge, engagierte Leute in dieser Stadt.
Warum schaffen wir es nicht, uns wirklich zuzuhören?
Diese Frage ließ mich nicht los.
Eine Erfahrung aus dem Jahr 2024 hat mir gezeigt, dass es auch anders gehen kann. Damals nahm ich am Kommunalen
Entwicklungsbeirat teil, initiiert von der Berlin Governance Platform von Gesine Schwan und moderiert vom Institut für
Konfliktmanagement (IKM) der Europa-Universität Viadrina.
Dort habe ich erlebt, wie Menschen mit völlig unterschiedlichen Ansichten respektvoll diskutieren konnten.
Nicht harmonisch im Sinne von „alle sind sich einig“, sondern ehrlich, kontrovers und trotzdem konstruktiv.
Ich hatte danach den Wunsch, genau diese Form der Kommunikation aus so einem moderierten Projekt in den
ganz normalen städtischen Alltag zu holen. Also sprach ich das IKM an – und traf bei Laura Gerards Iglesias sofort
auf offene Ohren. Gemeinsam entwickelten wir das Format „Wir müssen reden“.
Unser Ziel war klar: Wir wollten Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven an einen Tisch bringen und
über Themen sprechen, die gesellschaftlich wirklich unter Spannung stehen. Die erste Veranstaltung beschäftigte
sich mit dem Thema Sicherheit in Frankfurt (Oder) und den eigentlichen Anliegen dahinter. Bei der zweiten Ausgabe
diskutierten Oberbürgermeister Axel Strasser und weitere Gäste unter dem Titel „Die da oben!?“ über Vertrauen,
Politik und gesellschaftliche Distanz.
Wenn ich heute gefragt werde, was für mich das wichtigste Rezept für ein besseres Miteinander ist, dann bleibt
meine Antwort einfach:
Zuhören und Menschen ernst nehmen.
Philip Murawski
Wir feiern mit unseren polnischen Freunden